Sigmund Jähn - 1976

25 Jahre Jena-Optronik

Der Weltraum fasziniert. Er lässt die Menschheit von neuen Zielen träumen. Und er ist wie geschaffen für Pioniere, deren Neugier immer wieder zu wegweisenden Erkenntnissen führt.

Unsere Wurzeln gehen zurück auf VEB Carl Zeiss Jena. Die ersten Raumfahrtentwicklungen begannen in den frühen 1970er Jahren mit der Multispektralkamera MKF-6 und der ersten Sternsensoren Anfang 1980.

Fernerkundungskamera MKF-6 Carl-Zeiss, Jena, ca. 1978 (ZEISS Archiv)

Ursprung in den 70ern

Zu Gast im Flugleitzentrum im Jahr 1974 Quelle: Dr. Achim Zickler (privat)
Gruppenbild mit MKF-6 im Jahr 1976 Quelle: Dr. Achim Zickler (privat)
Sigmund Jähn Quelle: Dr. Achim Zickler (privat)

1991

Gründung der Jena Optronik GmbH

Unterzeichnung des Gesellschaftervertrags: Die damals noch Deutsche Aerospace (heute Airbus Defence & Space) gründen gemeinsam mit der Jenoptik die Firma Jena-Optronik GmbH.

Nach der Eintragung in das Handelsregister wurde die Jena-Optronik offiziell im April 1992 offiziell wirtschaftlich tätig.
Der Firmensitz ist Jena/Thüringen. Hier stützt sich das Unternehmen auf die in der Region vorhandenen umfangreichen Technologiekompetenzen im optischen und optoelektronischen Bereich.

Die Anfangsphase des Unternehmens war geprägt von Beiträgen für wissenschaftliche Missionen des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), der europäischen Raumfahrtagentur ESA und der amerikanischen NASA.

Erste Errungenschaften im All

Mai 1996

Installation des Erdfernerkundungsinstruments MOMS-2P (Modular Optoelectronic Multispectral Scanner) auf der Raumstation MIR und Aufnahme des operationellen Betriebs. Das Instrument bot erstmalig die Möglichkeit, die spektralen Eigenschaften der Erdoberfläche mit ihrer Dreidimensionalität zu erfassen, zu kombinieren und um so eine dreidimensionale Geländekonstruktion aufzuzeichnen.

Oktober 1997

Erstflug der unter Führung der Jena-Optronik entwickelten und gebauten deutschen Mikro- Rückkehrkapsel MIRKA: erfolgreiche Mission und Landung nach 14 Tagen. MIRKA wurde in Kugelform mit einem Durchmesser von 1 m und einer Gesamtmasse von 150 kg ausgelegt und wurde vom Startplatz in Plesetzk/Rußland durch eine SOJUS-Trägerrakete auf die Umlaufbahn gebracht. Nach dem Abtrennen trat MIRKA in die Phase der ballistischen Rückkehr zur Erde ein. In einer Höhe von ca. 7 km wurde das zweistufige Fallschirmsystem aktiviert. Der ballistische Wiedereintritt in die Erdatmosphäre war die Phase der Durchführung der Experimente.

Mai und September 1997

Als ich bei ARP-RVS (das Vorläufer-Projekt zum heutigen RVS) als Systemingenieurin eingestiegen bin, lag noch kein Stück Hardware auf dem Tisch. Bereits sieben Monate später musste unser Gerät jedoch einen Test bei der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA bestehen, der entscheidend war für seine Zulassung zum Mitflug auf den Shuttlemissionen. Innerhalb eines Jahres haben wir das Flugmuster gebaut und qualifiziert. Dieses ist im Frühjahr 1997 bereits zum ersten Mal auf dem Shuttle Atlantis zur Raumstation MIR geflogen und hat perfekt funktioniert. Bettina Möbius, Chefentwicklerin RVS

1999

Erfolgreicher Start der Sternsensoren

Die ersten Verträge über Sternsensoren vom Typ ASTRO 15 werden mit Kunden aus Japan und den USA geschlossen. Der Erstflug eines ASTRO 15 war dann im Jahr 2003.

Quelle: Deutsches GeoForschungsZentrum

Erinnerung an den Start von CHAMP im Juli 2000

Margitta Feige (Buchhaltung) zum Start des in Jena entwickelten und gefertigten wissenschaftlichen Kleinsatelliten CHAMP (CHAllenging Minisatellite Payload):

„Der CHAMP-Start wurde im Geoforschungszentrum (GFZ) Potsdam per Live-Schaltung nach Plesetsk, Russland übertragen. Die Beteiligten waren erwartungsfroh und sehr gespannt. Alles funktionierte reibungslos: Vom Start über das Aussetzen des Satelliten bis hin zum Ausklappen des Satellitenarmes sowie auch die Programmierung von der Erde aus, um unseren CHAMP im All auszurichten und auf die richtige Umlaufbahn zu bringen. Wir waren erleichtert und sehr stolz!“

Start der Wissenschaftsmission INTEGRAL der ESA

17. Oktober 2001

INTEGRAL nutzt diese zwei Instrumente, um kosmische Gammaquellen zu entdecken. Beide sind immer auf die gleiche Raumregion gerichtet und vollführen die Beobachtungen simultan. Dies ist das erste Mal, dass Gammaquellen und plötzliche Gammastrahlungsausbrüche im All in dieser Genauigkeit beobachtet werden können. Dafür benötigen Gammaspektrometer Detektoren und ein so genanntes Antikoinzidenzsystem (ACS).

Die Entwicklung und Fertigung des Antikoinzidenzsystems (ACS) führte bei der Jena-Optronik zu einem Ausbau der Kompetenz für komplexe System- und Integrationsaufgaben im Rahmen internationaler Missionen zur Erkundung des Weltalls.

2005

Jena-Optronik gehört zu 100% zur JENOPTIK AG

Ausgezeichnete Projekte und Produkte

2005 / Ehrung für GBM Team für NASA Mission.

Für die wissenschaftliche Satellitenmission FERMI (ehemals GLAST) der NASA, zu der das Hauptinstrument Large Area Telescope sowie das Sekundärinstrument GBM (Glast Burst Monitor) gehören, hat die Jena-Optronik GmbH in Kooperation mit dem Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik die Hauptbestandteile des GBM entwickelt, gefertigt und für den Weltraumeinsatz vorbereitet.

2007 / "Boeing Supplier of the Year"

ASTRO15 ist eine Eigenentwicklung der Jena-Optronik und basiert auf solider Entwicklung, hoher Kreativität und Motivation der ganzen Firma. Diese Ehrung durch Boeing unterstreicht eindrucksvoll, dass hier in Jena mit dem Sternsensor ASTRO15 ein Hightech-Produkt der absoluten Spitzenklasse entwickelt worden ist, das sich gegen die harte Konkurrenz am Weltmarkt durchgesetzt hat.

2008

Mit dem Andocken des ersten ATV (Automated Transfer Vehicle) „Jules Verne“ der Europäischen Raumfahrtagentur ESA an die Internationale Raumstation ISS erlebt Europa eine Weltpremiere im All. Die Rendezvous- und Docking-Sensoren der Jena-Optronik ermöglichen diesen vollautomatischen Prozess in einer Höhe von 340 Kilometer.

Quelle: RapidEye Satellitenkonstellation

29.08.2008 / Multispektralkamera aus Jena im ersten Einsatz

Mithilfe der Kamerasysteme aus Jena hat die Satellitenkonstellation RapidEyeeinen Geo-Informationsservice etabliert. Eine Flotte von fünf baugleichen Satelliten, auf denen sich die Instrumente Jena Spaceborne Scanner befinden, ermöglicht die Aufnahme von täglich über 4 Mio qkm Bilddaten. An Bord einer DNEPR Rakete starteten alle fünf Satelliten vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan. Mit der neuen Muslitspektralkamera wird die Tradition aus Jena in diesem Bereich erfolgreich fortgesetzt.

2009

Studiengang Raumfahrtelektronik in Jena

„Nur durch die enge Kooperation mit der Jena-Optronik, welche im Bereich der Raumfahrt tätig ist und zu den Pionieren auf diesem Gebiet gehört, konnte das ehrgeizige Ziel des Aufbaus dieses Studienganges erreicht werden. So können wir den Studierenden neben den theoretischen Grundlagen einen tiefen und praxisrelevanten Einblick in die Elektronikentwicklung für den Einsatz im Weltraum zu geben“ erläutert Studiengangsleiter Professor Burkart Voß.

2010

Jena-Optronik gehört zu 100% Airbus DS GmbH (ehemals Astrium)

02.05.2013 / Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel besucht Jena-Optronik

„Innovationen leben. Beschäftigungsfähigkeit sichern.“ Unter diesem Motto gestaltet die Jena-Optronik ihre demografieorientierte Personalarbeit. Im Rahmen ihrer Dialogreise zum Thema Demografie besuchte die Bundeskanzlerin das Thüringer Raumfahrtunternehmen. "Es gibt in der Bundesregierung eine Demografiestrategie unter dem Motto Jedes Alter zählt", sagte Merkel. "Hier konnte ich mich davon überzeugen, dass das gelebt wird und dass das Alltag ist, dass die Älteren von den Jüngeren lernen. Dass die Jüngeren auch ihr Wissen anwenden können und das, was sie zusätzlich aus ihrer Ausbildung mitbringen, auch einbringen können."

Quelle: ESA

25.07.2013 / Start ASTRO APS mit AlphaSat

„Ich gratuliere der ESA zum erfolgreichen Erstflug des Alphasat. Die Freude ist umso größer, weil auch der ASTRO APS Sternsensor der Jena-Optronik seinen Jungfernflug an Bord des Satelliten absolviert. Das gesamte Projektteam darf sich mit Stolz freuen, dass mit diesem beachtlichen Meilenstein eine spannende Entwicklungs- und Qualifikationsphase zu ihrem erfolgreichen Abschluss gefunden hat. Unser Dank geht an ESA und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt für die fortwährende Unterstützung dieses Projekts. Ich wünsche AlphaSat auf seiner langjährigen Mission alles Gute“, kommentiert Dr. Axel Kwiatkowski, Projektteam Sternsensoren bei Jena-Optronik.

2014

11.11.2014 / Wir sind Komet Tschurjumow-Gerasimenko

Von der Jena-Optronik wurde zusammen mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR das Linsensystem sowie Mechanik für das Instrument ROLIS (Rosetta Lander Imaging System) an Bord der Landesonde Philae entwickelt. ROLIS hat vor und nach der Landung Bilder aufgenommen, welche Erkenntnisse über die Oberflächenbeschaffenheit, Vielfalt der Oberaflächenstrukturen des Kometen geben sollen. (Bildquelle: ESA/Rosetta/NAVCAM, CC BY-SA IGO 3.0)

2015

Eröffnung des Neubaus

In Anwesenheit der Parlamentarischen Staatssekretärin Brigitte Zypries (Koordination der Bundesregierung für die deutsche Luft- und Raumfahrt) und dem Thüringer Minister für Wirtschaft, Wissenschaft und digitale Gesellschaft Wolfgang Tiefensee wurde am 26. Mai 2015 feierlich der Neubau für die Jena-Optronik GmbH eröffnet.

„Optische Produkte aus Jena genießen Weltruhm! Dieser kommt nicht von ungefähr: Das Beispiel Jena-Optronik zeigt, wie gut und erfolgreich die Zusammenarbeit von Forschern, Entwicklern und Unternehmern in der Region funktioniert und welche Erfolge damit möglich sind. Thüringen und Jena haben einen hervorragenden Standort geschaffen und bieten ein innovationsfreundliches Umfeld für Jena-Optronik und viele andere High Tech Unternehmen.“

2016

Die Jena-Optronik ist auch an der dritten Mission des COPERNICUS Programms beteiligt. Der Start von Sentinel-3 erfolgte am 16. Februar 2016. (Bildquelle: Copernicus Sentinel data - 2016)

Wie verändert sich unser Heimatplanet?  Wie entwickelt sich das Klima?  Welche Rolle spielt der Mensch dabei?

Von den Antworten auf diesen Fragen hängt die Zukunft, die Existenz, das Wohlergehen der Menschheit ab. Es hängt davon ab, welche Maßnahmen eingeleitet und welche Entscheidungen getroffen werden müssen.

Das Programm „Copernicus“, koordiniert von der Europäischen Kommission sowie – für das Raumsegment – von den Mitgliedsstatten der Europäischen Raumfahrtagentur ESA finanziert und umgesetzt, liefert wichtige Bausteine für diese Antworten und markiert den Beginn einer neuen Epoche der Aufnahme der Erde aus dem All.

Fortsetzung folgt ...